Niederländische Weihnachtsfeier

Zum Jahresabschluss luden die International Friends gemeinsam mit der Nederlandse Vereniging Dresden zu einer niederländisch inspirierten Weihnachtsfeier ein. Dabei bot sich die Gelegenheit sowohl Traditionen und Spezialitäten unseres Nachbarlandes als auch die jeweiligen Vereinsmitglieder in gemütlicher Runde kennenzulernen. Bis in den späten Abend wurden so neue Bekanntschaften geknüpft, gemeinsam gebastelt und gesungen.

Dank je en prettig kerstfeest!

Vielen Dank und frohe Weihnachten!

Syrien zwischen Hammer und Amboss

In der Veranstaltungsreihe des International Friends Dresden e.V. widmete sich der Vortrag im November dem politisch nach wie vor hochaktuellen Thema des Bürgerkrieges in Syrien. Samer Mohamad, Geschäftsführer der Deutschen Generalbau GmbH in Dresden & Vereinsvorsitzender des Vereins shaám e.V., konnte dabei aus erster Hand einen Einblick in die Strukturen des Assad-Regimes und dessen fatale Auswirkungen auf die syrische Bevölkerung geben.

 Syrien blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die von politischer Unruhe und Oppression geprägt ist. Die ethnische und religiöse Diversität des Landes trägt daran einen nicht zu unterschätzenden Anteil. Seit einem der zahlreichen Putsche im Jahr 1963 regiert nun die Baath-Partei und mit ihr die al-Assad Familie die syrische Republik. In dieser Zeit etablierte sie laut Herrn Mohamad ein umfassendes Überwachungs- und Kontrollsystem, das in seiner Willkür und Brutalität die Züge eines totalitären Regimes aufweist. Ein Apparat von circa 500.000 Mitarbeitern kontrolliert dabei das alltägliche Leben, die Medien, die Wirtschaft und Politik und schafft es mit Mitteln der Einschüchterung und Bestechung jede oppositionelle Regung im Keim zu ersticken.

Getragen von den Umwälzungen in Ägypten und Tunesien, formierte sich 2011 dann jedoch auch in Syrien Protest gegen die Assad-Regierung, der sich in einen immer noch währenden Bürgerkrieg entwickelte. Herr Mohamad berichtete, dass die syrischen Oppositionellen ihre Hoffnung auf die westliche Staatengemeinschaft und deren Unterstützung gesetzt hatten, die jedoch durch deren Uneinigkeit und daraus resultierender Tatenlosigkeit enttäuscht wurde. In diesem Zusammenhang zeichnete er ein pessimistisches Bild der Zukunft Syriens mit einer zerstrittenen intellektuellen Opposition im Exil, den untätigen Westmächten und der steigenden Not der syrischen Zivilbevölkerung.

Es ist dieses Elend der Bevölkerung, das Herr Mohamad mit der Arbeit seines Vereins shaám e.V. lindern möchte. In der anschließenden Diskussion erläuterte er konkrete Maßnahmen, die der Verein unterstützt, wobei durch die anhaltenden Kämpfe vor allem die Grundversorgung der Menschen mit Nahrungsmitteln im Vordergrund steht.

An den Vortrag schloss sich eine angeregte Diskussion über mögliche Hilfsmaßnahmen und Entwicklungen Syriens an.

Mehr Informationen über die Tätigkeit des shaám e.V. finden Sie auf der Vereins-Homepage unter http://www.shaam-syria.org.

Die EU Rechtsstaatsmission im Kosovo – Probleme des Transfers von Recht in ein fremdes Umfeld

Im Oktober begrüßten wir Alfred Graf von Keyserlingk als Referenten in der Vortragsreihe des International Friends Dresden e.V. Durch seine mehrjährige Tätigkeit als Vorsitzender der Kammer für Privatisierung am Obersten Gericht des Kosovo, konnte er den Anwesenden einen Einblick in die Schwierigkeiten des Rechtstransfers von der Europäischen Union in die Balkanrepublik geben.

Die Kosovoregion stand seit dem 15. Jahrhundert stets im Spannungsfeld europäischer Mächte, wie ein kurzer Geschichtsabriss zu Beginn des Referats zeigte. Nach der permanenten territorialen Neuordnung, zunächst der Eingliederung in das Osmanische Reich, dann in die Republiken Jugoslawien und Serbien, richtete die UN-Resolution 1244 aus dem Jahr 1999 eine Übergangsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK) ein. Im Anschluss an die Unabhängigkeitserklärung der Republik Kosovo 2008, entsandte die EU die European Union Rule of Law Mission (EULEX), die die rechtsstaatliche Entwicklung der jungen Republik überwachen und mit ausgebildetem Personal unterstützen sollte. In diesem Rahmen arbeitete auch Herr Graf von Keyserlingk im Kosovo.

In seiner Arbeit stieß er dabei einerseits auf großes Interesse, gute Zusammenarbeit und den dankbaren Willen zum Neuanfang seiner kosovarischen Kollegen, andererseits allerdings auch auf viele Probleme in der Umsetzung europäischer Richtlinien. Allen voran verursachte die Vielsprachigkeit, sowohl der EULEX Mission als auch der Republik Kosovo, Verständigungsschwierigkeiten. So musste ein hoher Übersetzungsaufwand betrieben werden, um eine gegenseitige Kommunikation zu gewährleisten, der das Arbeitstempo erheblich verlangsamte. Außerdem erschwerten historische und justiziare Sonderfälle, z.B. in Fragen der Eigentumsverhältnisse von Betrieben, die Justizarbeit und machten einen pauschalen Rechtstransfer von der EU in den Kosovo nahezu unmöglich.

Als grundsätzliches Problem des Transfers stellte Herr Graf von Keyserlingk die unterschiedlichen historischen Entwicklungen der westlichen EU-Länder und dem Kosovo heraus. So stehen den plötzlichen juristischen Neuerungen in der Gesetzgebung keine adäquaten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Anpassungen entgegen. Beispielsweise wird die kosovarische Gesellschaftsordnung, in der nach wie vor die starken Familienverbände als zentrale Pfeiler für viele staatliche Leistungen wie die Altersvorsorge einsteht, in der „importierten“ Rechtssprechung nicht berücksichtigt.

Herr Graf von Keyserlingk schätzte die Ursachen für diese Komplikationen in der unzureichenden Vorkenntnis der EU über den Kosovo und seiner Strukturen ein. Nichtsdestotrotz zog er durch die zunehmende Stabilisierung des Landes ein positives Resümee der EULEX Mission. Im Ausblick forderte er schließlich gelockerte Einreisebestimmungen für die Kosovaren in die EU, um den kulturellen Austausch und eine damit verbundene Annäherung zu vereinfachen.

Im Anschluss wurde bei Wein und einem kleinen Imbiss angeregt weiter diskutiert.

Alfred Graf von Keyserlingk: „Die EU Rechtsstaatsmission im Kosovo, Probleme des Transfers von Recht in ein fremdes Umfeld“.
Erfahrungen mit der bisher größten und teuersten Rechtsstaatsmission der Europäischen Union EULEX (European Rule of Law Mission) im Kosovo.

Einwanderungsland Sachsen?

Nach der Sommerpause begrüßten wir im September Herrn Thomas Napp, Leiter des Sächsischen Migrationszentrums in Reichenbach/O.L. Unter der Überschrift „Einwanderungsland Sachsen?“ erläuterte er nicht nur die historische Bedeutung des Standortes im Dreiländereck an der Via Regia sondern auch die verschiedenen Migrationsbewegungen seit dem 19. Jh in der Region. Vorgestellt wurden auch verschiedene Aktivitäten, Projekte und Veranstaltungen des Migrationszentrums, die alle eine intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema „Migration“ zum Ziel haben. Da Sachsen für Tschechien und Polen immer noch vorrangig ein Transitland ist, soll besonders die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf politischer, kultureller und wirtschaftlicher Ebene gefördert werden. Dabei werden in verschiedenen Projekten sowohl sächsische und polnische Unternehmen als auch Schüler angesprochen. Der erste Schritt zu einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit kann erst getan werden, wenn das Interesse für die jeweils andere Kultur geweckt ist. In der anschließenden Diskussionsrunde wurden Methoden und Ansätze besprochen, die dazu beitragen könnten.

Der Islam – zwischen Medienbild und Tradition

Zahlreiche Besucher folgten der Einladung der International Friends im Juli zum Vortragsabend mit dem interessanten Thema „Der Islam – zwischen Medienbild und Tradition“. Frau Christiane Müller, Regierungsrätin & Islamwissenschaftlerin vom Landeskriminalamt Sachsen sprach dabei über das vorwiegend negative Image, was die Medien vom Islam schaffen und die dadurch entstandene Wahrnehmung der Religion in Deutschland. Aufgrund der Bilder z.B. von verschleierten Frauen oder Kindern mit Kalaschnikows, die immer wieder zu sehen sind, wird der Islam laut einer Studie bei jedem 2. Deutschen als Bedrohung angesehen. Frau Müller machte in ihrem Vortrag aber deutlich, wie breit gefächert die vielen verschiedenen islamischen Gruppierungen sind und das Dinge, die in der öffentlichen Diskussion als „islamisch“ benannt werden oft nichts mit der Religion an sich zu tun haben, sondern kulturbedingt sind, wie z.B. die weibliche Beschneidung, die auf eine afrikanische Tradition zurück geht. Die 5 Säulen des Islams (Glaubensbekenntnis, Gebet, Ramadan, Almosenspenden und Pilgerfahrt) und die damit verbundenen Regeln, Pflichte und Verbote für die Gläubigen sind für westliche Kulturen meist fremd, was zu Erklärungsversuchen und einer daraus resultierenden Stigmatisierung des Islams führt. Dadurch wird eine „Angst“ vor der Religion geschürt, die eigentlich dem „Fremden“ gilt. Frau Müller rief deshalb zu einer differenzierten Betrachtung auf, um vorschnelle Verurteilungen zu vermeiden.

Im Anschluss an den Vortrag wurde bei einem Glas Wein weiter diskutiert.